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Wenn Milchzucker krank macht 


Laktose-Intoleranz

Die weltweite Verbreitung der primären Laktose-Intoleranz
Die Laktose-Intoleranz unterliegt verschiedenen Vererbungsgesetzen, den so genannten Mendelschen Regeln. Hierbei handelt es sich um statistische Gesetzmäßigkeiten des Erbgangs, auf die hier nicht näher eingegangen werden soll.

• Eine weitere These, die sich auf die genetischen Faktoren stützt, berücksichtigt den Selektionsdruck unter ökologischen Bedingungen. Sie erklärt die hohe Laktase-Aktivität der Nordeuropäer mit folgendem Phänomen: Nordischen Völkern steht verhältnismäßig wenig UV-Strahlung zur Verfügung, weil sie aufgrund geografischer und meteorologischer Verhältnisse einer nur geringen Sonnenexposition ausgesetzt sind. Da der menschliche Körper aber die natürliche UV-Strahlung zur Produktion von Vitamin D benötigt, ist die nordeuropäische Bevölkerung ständig dem Risiko einer Vitamin-D-Unterversorgung ausgesetzt.

Um das in der Nahrung befindliche Kalzium effizient zu absorbieren, benötigt der menschliche Organismus jedoch eine ausreichende Menge an Vitamin D. Evolutionsgeschichtlich betrachtet haben also diejenigen Individuen, deren Organismus in der Lage war, Laktase zu produzieren und damit trotz geringer Sonneneinstrahlung ohne Probleme ihren Kalziumbedarf zu decken, anderen Konkurrenten gegenüber einen entscheidenden Selektionsvorteil gehabt.

• Auch die Umstände beim Heranwachsen von Säuglingen kommen als Erklärung für die primäre Laktose-Intoleranz in Frage: Manche Wissenschaftler vermuten, dass die nach den ersten Monaten aufkommenden Unverträglichkeitsreaktionen beim Baby dazu führen sollen, die Umstellung von Muttermilch auf feste Nahrung voranzutreiben. Dieser Zeitraum fällt nämlich mit der größten Abnahme der Laktase-Produktion zusammen. Die Laktose-Intoleranz unterstützt nach dieser Theorie sozusagen einen wichtigen Entwicklungsschritt des Menschen.

Einige Forscher gehen übrigens davon aus, dass vor 2o 00o Jahren jeder Mensch auf der Erde nach der Stillzeit eine primäre Lalztose-Intoleranz entwickelt hat. Die genetische Veranlagung, Milchzucker ohne Probleme zu verarbeiten, wäre demnach entwicklungsgeschichtlich gesehen eine relativ junge menschliche Fähigkeit.

Leseprobe aus:

Laktose-Intoleranz - Wenn Milchzucker krank macht

LAKTOSE-INTOLERANZ
Wenn Milchzucker krank macht

Thilo Schleip
Trias Verlag
Direkt online bestellenISBN: 978-3830432401 
143 Seiten, 12,95 EUR


Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Trias Verlags, MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. Jede Verwertung außerhalb des Urheberrechts ist verboten. Keine Haftung.